«Ganoven-Edi» feiert seinen 80. Geburtstag

Tages-Anzeiger, Mittwoch, 21. Februar 2007
Text: Werner Schüepp, Bild: Peter Lauth

Schauspieler-Legende Edi Huber wurde an seinem runden Geburtstag von Kollegin Ursula Schaeppi überrascht.

Schauspieler-Legende Edi Huber wurde an seinem runden Geburtstag von Kollegin Ursula Schaeppi überrascht.

Der Wiediker Edi Huber stand einst mit Ruedi Walter und Margrit Rainer auf der Bühne. Heute ist der Theaterstar als gefragter Regisseur im Einsatz.

«Die Überraschung war perfekt, ich habe absolut nichts gemerkt». Edi Huber kann es immer noch nicht fassen. Vor wenigen Tagen feierte der beliebte Volksschauspieler seinen 80. Geburtstag. Noch nie ein Typ für rauschende Feste, begab er sich an seinem Geburtstag zur Probe der Theatergruppe Friesenberg, mit der er zurzeit im Kirchgemeindehaus Friesenberg die Komödie «Neurosen-Kavalier» einstudiert.

Der Abend verlief allerdings völlig anders als geplant: Akt 1 und 2 fielen ins Wasser, die Laiendarsteller machten auf der Bühne keinen Mucks und standen still wie festgefroren. Stattdessen öffnete sich im Hintergrund plötzlich eine Tür und Mitglieder der Theatergruppe, ehemalige Darsteller und technisches Personal, liessen vielstimmig ein Happy Birthday erschallen. Spätestens als seine ehemalige Schauspielerkollegin Ursula Schaeppi mit einem Lorbeerkranz auf ihn losstürmte, wusste Edi Huber Bescheid: «Diese Überraschung ist der Theatergruppe wirklich gelungen. Ich war gerührt.»

«Bibi Balu» und «Golden Girl»

Der im Kreis 4 aufgewachsene Edi Huber ist als Schauspieler vor allem der älteren Generation ein Begriff. «Wenn der Edi mitmacht, ist es nie ganz blöd», lautete ein Kollegenlob über den Mimen. Unvergessen die goldenen Zeiten, als er in den Sechziger- und Siebzigerjahren mit legendären Grössen wie Ruedi Walter, Margrit Rainer oder Paul Bühlmann auf der Bühne stand. «Seltsam, obwohl ich einen Charaktergrind habe, spielte ich vor allem in Schwänken und Musicals.»

Er tourte durch die ganze Schweiz mit Publikumshits wie «Bibi Balu», «Golden Girl» und «Viva Banana» - meistens spielt Edi Huber den schlitzohrigen Bösewicht. Schnell verlieh ihm die Presse einen Übernamen: « Ganoven-Edi ». Sein Markenzeichen: die buschigen Augenbrauen und der Charme. «Ich war mit Leib und Seele Schauspieler», sagt er, «es gab gute und schlechte Zeiten.» Zu den guten zählt er die glanzvollen Aufführungen, seine Lieblingsrolle in «Der müde Ehemann» oder seine letzte Figur, den «Bunker-Willi» in der «Kleinen Niederdorfoper.»

Zu den schlechten Zeiten gehören die Pausen zwischen den Engagements, in denen der gelernte Schriftsetzer mit Gelegenheitsjobs die Familie über Wasser hielt: Er war Buffetbursche und Barmann, Fotomodell, Parfümerieverkäufer, Kurier und Lagerarbeiter. «Für keinen Job war ich mir zu schade. Ich wollte am Monatsende immer meine Rechnungen bezahlt haben.»

1989 war Schluss: Nach 30 Jahren hing er die geliebte Schauspielerei an den Nagel. «Irgendwann blieben die Rollenangebote aus.» Der einstige Theaterstar klingt nicht verbittert. «Wenn ich mit 80 Jahren immer noch von Hollywood und dem Oscar träumen würde, wäre etwas falsch gelaufen», schmunzelt er. Noch einmal jung, würde er nur eins anders machen: Früh nach Deutschland auswandern. Er erinnert sich an die Angebote von Hans-Joachim Kulenkampff und Rudi Carrell, die ihm seinerzeit geraten haben: «Komm doch zu uns. Du wirst dich durchsetzen.» Huber blieb, Frau und Sohn zuliebe, in der Schweiz. «Das war sicher ein unverzeihlicher Fehler.»

Mit Laiendarstellern arbeiten

Was macht er heute? Seit 15 Jahren studiert er jedes Jahr mit den Amateurtheatern Friesenberg und der Regan-Bühne eine neue Komödie ein. «Ich geniesse es, mit Laiendarstellern zu arbeiten.» Seine jahrzehntelange Erfahrung als Profischauspieler wird geschätzt, die Arbeit vor der Bühne macht fast so viel Spass wie früher auf der Bühne.

In der Freizeit kümmert sich der «gemässigte Sozialdemokrat» Edi Huber, der seit 20 Jahren in Wiedikon wohnt, um seinen Schrebergarten. Zu Hause liest er viel, bezeichnet sich als leidenschaftliche Leseratte («Ich verschlinge alles, selbst die Bierdeckel in den Restaurants haben keine Ruhe vor mir»). Zukunftspläne? «Gesund bleiben, grosse Pläne mache ich in meinem Alter nicht mehr.»

De Neurose-Kavalier. Theatergruppe Friesenberg. Premiere: Samstag, 10. März, 19 Uhr, Reformierte Kirche Friesenberg
www.theatergruppe-friesenberg.ch.

Originalartikel