„Wir sind wie eine grosse, leicht verrückte Familie“

Während 21 Jahren war Uschi Häberli als Präsidentin das Gesicht der Theatergruppe Friesenberg, so lange wie noch kein Präsident oder keine Präsidentin des Vereins vor ihr. Im Herbst 2020 hat sie ihr Amt weitergegeben. Im Interview erklärt sie, wie sie zur TGF kam, warum sie Bedenken hatte, Präsidentin zu werden, und warum sie einst für jede Vorstellung Hackbraten kochen musste.

Uschi Häberli, Präsidentin von 1999 bis 2020

Uschi, du warst 21 Jahre lang die Präsidentin der Theatergruppe Friesenberg. Nun hast du im Herbst 2020 dein Amt abgegeben. Warst du nicht auf Lebzeiten gewählt?

(Lacht) Ja, das wollten mir meine Vorstandskollegen immer wieder „verkaufen“ – aber da hätte es schon ein paar Halsketten gebraucht, um mich zu überreden. Nein, im Ernst. Es ist Zeit, dass die Jüngeren übernehmen. Wir haben tolle junge Leute, die viel für den Verein tun. Das bringt neue Ideen. Und so kann sich die Theatergruppe auch weiterentwickeln.

Bevor wir in die Zukunft schauen, werfen wir doch mal einen Blick zurück. Wie bist du zur Theatergruppe Friesenberg gekommen?

Das war 1988. Ich habe damals zusammen mit meinem Mann eine Aufführung im Restaurant Schweighof besucht. Bei der Garderobe habe ich dann Edith Engler getroffen, die dort mitgeholfen hat. Ich kannte sie noch von früher, wusste aber nicht, dass sie in der Theatergruppe engagiert war. Sie ermutigte mich, doch auch mitzumachen, da sie immer neue Leute brauchen konnten. Und seither bin ich dabei.

Vom Publikum direkt auf die Bühne?

Nein, so schnell ging es nicht. Damals musste man sich erst in der Requisite die Sporen abverdienen. 1989, im Stück „S Gala-Dinner“ war ich dann für die Requisiten zuständig. Dort musste ich für alle sieben Vorstellungen Chateaubriand kochen, weil das im Stück gegessen wurde. Also eigentlich war es Hackbraten mit Schinkenbohnen – aber frisch gekocht war es jedes Mal.

Ein Jahr später gabst du dann aber dein Schauspieldebut. Wie war das?

Schrecklich. Ich musste bei „Zum Tüfel mit em Sex“ gleich eine leichte Dame spielen. Eine Rolle, die so gar nicht zu mir passte. Ich fühlte mich alles andere als wohl. So ging es auch Edith, die eine ähnliche Rolle hatte. Aber irgendwie haben wir es dann doch geschafft.

Insgesamt fünfmal standst du auf der Bühne. Dann gabst du den Rücktritt. Warum?

Da gab es zwei Gründe. Zum einen hatte ich immer wahnsinniges Lampenfieber und kriegte richtige Bauchschmerzen vor dem Auftritt. Zum anderen hatten wir genügend Schauspielerinnen im gleichen Alter. Daher war es für mich absolut okay, nicht mehr zu spielen. Das Amt der Präsidentin zeigte mir aber schnell, dass mir das Organisieren sowieso viel besser liegt, als auf der Bühne zu stehen.

1999 hast du das Amt der Präsidentin übernommen, obwohl du Bedenken hattest, dieser Aufgabe gewachsen zu sein.

Ja, das stimmt. Ich hatte grossen Respekt vor diesem Amt. Aber meine Vorstandskolleginnen und -kollegen versicherten mir, dass sie mich tatkräftig unterstützen werden. Und das haben sie bis heute getan. Als Präsidentin bist du in diesem Verein keine Einzelkämpferin. Der Vorstand und auch viele Leute auf und neben der Bühne leisten grossartige Arbeit. Und das macht es dann auch für die Präsidentin leichter.

Ist es auch das, was der Verein aus deiner Sicht auszeichnet?

Absolut. Wir sind wie eine grosse, leicht verrückte Familie. Es ist nie ein Gegeneinander, es ist immer ein Mit- und Füreinander. Das ist wunderschön und auch der Grund, warum ich so lange im Verein bin und auch noch weiter bleibe: im Vorstand und als Leiterin des Restaurants.

Die Gastronomie ist ein wenig dein Baby, oder?

Ja, es ist das, was ich am besten kann. Ich habe als junge Frau im Service gearbeitet, später dann das Wirtepatent gemacht. Und dann auch einige Zeit ein Café in Wiedikon geführt. Und nun bin ich eben für die TGF-Beiz zuständig – solange ich noch körperlich „zwäg“ bin.

Das Restaurant behältst du, das Präsidium gibst du ab. Anja Schwyn wurde im Herbst zur neuen Präsidentin gewählt. Was erwartest du von ihr?

Anja wird es grossartig machen, davon bin ich überzeugt. Sie ist selbst schon seit über 15 Jahren im Verein und seit 2013 im Vorstand. Sie weiss also, wie es läuft. Natürlich hat sie auch die gleich grosse Unterstützung aus dem Vorstand, wie ich sie auch hatte. Und klar, ich gebe ihr gerne meine Erfahrungen weiter.