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Theaterausflug ins Engadin

5. und 6. September 2015

Organisation: Jeanine Erni und Jörg Straube
Reisebericht: Annelies Mehri
Fotos: Jörg Straube

Samstag, 5. September 2015

Wie alle Jahre wieder startete unser TGF-Ausflug am Borrweg. Der Ryffelcar stand pünktlich bereit und Marco, der die aufgestellte Schar zwei Tage chauffierte, verstaute in aller Seelenruhe – die zeigte er übrigens auch bei der Fahrt – unsere mitgebrachten Gepäckstücke in den Bauch des Cars. 38 fleissige Teilnehmer stiegen nach herzlicher Begrüssung in den neuen Bus. Pünktlich, ohne Nachzügler, sind wir um 8:45 Uhr losgefahren. Das Rätselraten begann.

Bald spurte Marco auf die A3 Richtung Chur ein. Also wurden die Spekulationen ins Wallis nichtig. Schon bald fanden der fein duftende Kaffee und gluschtige Gipfeli, das rollende Frühstück, reissenden Absatz. Jedes Jahr ein toller Aufsteller. Danke! Als wir die vorüberfliegenden Orte warnahmen und das Rheintal Richtung Julier avisiert wurde, trafen viele Rater mit dem Ziel „also doch das Engadin“ ins Schwarze.

Trotz wolkenverhangenem Himmel lugten ein paar Sonnenstrahlen durch und gaben kurz ein paar Blicke auf schneeverzuckerte Bergspitzen und den glänzenden, sagenumwobenen Marmorerasee frei. Marco steuerte souverän durch die engen Kurven dem Hospiz Julier entgegen. Aussteigen, auf 2284 Meter, unsere erste Rast. Puh, die nasse, kalte Schneeluft blies uns Haare und Jacken auf, so dass alle gern im warmen, gemütlichen Restaurant „Ospizio La Veduta“ einkehrten.

Der Vorstand, zusammen mit Katja, tagte sofort, steckte die Köpfe zusammen und diskutierte fleissig, um das neue Stück für die Theatersaison 2016 festzulegen. Die Verpflegung, das heisse, mundende Essen Kartoffelstock mit würzigem Geschnetzeltem an Pilzsauce und knackigem Gemüse, schmeckte köstlich. Vor dem Aufbruch, nach der gemütlichen Mittagsrunde, war die neugierige Frage in aller Munde: Na, und wie heisst das neue Stück? Abwarten, alles hängt noch in der Luft. Eine weitere Sitzung ist nötig. Erwartungsvoll bestiegen wir den angenehm warm klimatisierten Car.

Nach kurzer Fahrt öffnete sich uns bei der Einfahrt in St. Moritz das Engadin. Das Geheimnis war gelüftet. Aber unsere zwei Organisationstalente, Jeanine und Jörg, behielten sich bedeckt und schmunzelten nur auf Fragen, was noch alles komme. Der Temperatursturz zwang ein paar unserer TGFler am zweiten Halt, dem St. Moritzersee, zum Griff ins Reisegepäck um winterlich aufzurüsten. Der Malojawind fegte durchs Tal und um die Ohren. Eine Gruppe sportlicher Teilnehmer marschierte rund um den See. Einige strebten dem Stazersee entgegen, und eine gemütliche Gruppe peilte das Hotel-Restaurant „Meierei“ zum Dessert-Verwöhn-Programm an.

Nach dem Einfinden am Bahnhof St. Moritz fuhr uns Marco zu unserer grossen Überraschung, direkt vor das Grand Hotel Kempinski, wo wir nach einem „TGF-Familienfoto“ vor dem majestätischen Bau, im Entrée des 5-Sterne-Hotels herzlich empfangen und in Gruppen aufgeteilt wurden. Auf einem interessanten geführten Rundgang mit vielen Ahs und Ohs tauchten wir in die Welt ein, wo Personen aus Nationen wie Russland, den arabischen Ländern, Indien, der Schweiz etc. diesen imposanten Tempel mit Zimmern, Suiten aller Kategorien bis zu Residenzen bewohnen und den exzellenten Luxus pur geniessen.

Nach vielen beeindruckenden Einblicken in diese noblen Gemäuer, trafen alle in der Bar zusammen, wo sich verspätet dann auch noch die letzte Gruppe zu uns gesellte. Oh Schreck, sie steckten im antiken Lift fest. Nach dem Einnehmen der Hotelbar in eleganter Einrichtung, wurden wir mit offerierten, frei wählbaren Drinks, erlesenen Nüssen und exquisiten Häppchen verwöhnt – so ganz Grand oder nach „Drei Männer im Schnee“-Manier!

Nach der Weiterfahrt Richtung Unterengadin erreichten wir unser Domizil, das Hotel „Spöl“ in Zernez, dem Tor zum schweizerischen Nationalpark. Nach reibungslosem Zimmerverteilen und -bezug erwartete uns nach kurzer Zeit eine schöne Tafelrunde in alten Mauern mit ausgestopften Hirsch- und Steinbocktrophäen an den Wänden – ganz bündnerisch.

Jeanine und Jörg mischten die Abendrunde mit einem Dinner-Krimi auf. Spannung pur mit „Drei Rosen für Charlie“, ein Kriminalfall, wo es galt den Mörder der französischen Bulldogge Charlie zu finden, der heimtückisch aus dem Leben scheiden musste.

Zum Fall: Wer will ans Erbe, das Thea Bull dem verschiedenen Charlie vermacht hat? Sie, die extravagante Lady, schon etwas vergesslich? Der verwöhnte, autonärrische, frauenflüsternde Sohn Karl Friedrich, liiert mit Baronin Wolfhagen, die in den Medien, berüchtigt, nicht mehr so liquid an Vermögen, bestes bekannt ist? Der Gärtner Otto, treu den Bulls in 4. Generation ergeben, dem die blaue Rosenzucht einfach nicht gelingt, da seine Gedanken vielleicht zu oft bei der Verehrung der Hausdame Emma weilt, der etwas sehr vorlauten, neugierigen, Haushälterin und heimlicher Schwarm des Sohnes, wie es sich später heraus stellt? Ihre hoffende Nachfolgerin Anna, jung, nett, zielstrebig? Der Hundezüchter von Charlie, K(r)atzenstein, aufbrausend, knorrig? Sie alle stehen im Verdacht vom smarten Polizei-Inspektor Fischer und seinem Team.

Die spannende Fahndung wurde mit Unterstützung von Bulls Anwalt Herr von Haupten, der sich verdeckt im Hintergrund hält, der aufmischenden Journalistin Paula und dem Freund des Herrensohnes, der reiche Autonarr Theodor, der attraktiven Violetta, Freundin der Baronin, und einigen treffenden Hinweisen aus dem Team, immer klarer. Zwischendurch servierten nette Damen immer wieder köstliches Essen. Salat, Spätzli mit Rahmschnitzel an Pilzsauce und Aprikosentarte als Dessert, das alles ausgezeichnet mundete.

Dann plötzlich! Alles klar, Herr Kommissar, der Fall ist gelöst. Nein, der Hundemörder ist nicht der Gärtner. Nein, es ist der nach Charlies Erbe lüsternde Sohn Karl Friedrich. Bravo, das war super. TGF pur. Coole Idee für diese Gruppe von eingefleischten Theaterfans.

Müde, zufrieden und gespannt auf den nächsten Tag zogen sich viele in ihre Gemächer zurück, bis auf einige „Überhöckler“, die noch ein oder zwei Absacker in geselliger, lachender Runde genossen. Das Sagen umwobene Hauptthema ... ist nur für Insider.



 

Sonntag, 6. September 2015

Das Sonntagmorgenprogramm lockte nach dem reichhaltigen Frühstücksbuffet, die Wandergruppe in den Nationalpark. Die Langschläfer labten sich genüsslich und ausgiebig am Buffet. Einige spazierten dann durchs Dorf und kauften eine leckere einheimische Spezialität als Erinnerung. Den warm verpackten Wanderer erwartete mit Start in Il Fuorn bis zum Ziel Stabelchod eine 2½-stündige Führung mit Rosmarie Walter durch das wundervolle Arvenheer des Bündner Nationalparks. Die Geschichte von Spuren an Bäumen vom geschickten Specht, vorwitzigen Murmeli, mit Fernrohr eingefangene Gemsen, eine Hirschkuh mit ihrem Jungen und im Wind schwingende Adler begleitete die fröstelnde Gruppe. Das überqueren eines klaren Flusses gehörte dazu wie ein kurzer überraschender, leichter Schneefall. Imposantes Bergpanorama liess manchen zum Handy und der Kamera greifen, um die faszinierende Natur- und Tierwelt einzufangen. Zurück in Zernez bestiegen dann alle gemeinsam unseren Car zur Weiterfahrt und nächsten Überraschung.

Gespannt, was unser OK-Team noch auf Lager hatte, genossen wir in der Mittagszeit die Fahrt Richtung Samedan. Das Wetter meinte es gut mit uns. Die Sonne kämpfte sich durch die Wolken und eine herrliche Bergwelt zeigte sich auf. Ziel war das Hotel-Restaurant Terminus in Samedan. Uns erwartete wieder ein leckeres Essen. Und nach der zweiten getagten, intensiven Sitzung des TGF-Vorstands samt Katja, stand nun endlich fest, wie das neue Stück der Theatergruppe in der Spielsaison 2016 heisst: „Säg doch eifach ja!“ Hurra! Ein grosses Raunen sickerte durch die Runde und schon wurden die zugeordneten Rollen studiert und eine grosse Vorfreude zeigte sich auf manchen Gesichtern.

Frisch gestärkt und gespannt auf das Nächste, was da kommen wird, fand sich die Truppe um 14 Uhr wie abgesprochen im Bahnhof Samedan beim Gleis 1 ein. Was für eine Überraschung: Uns erwartete eine Fahrt im offenen Panoramazug der Rhätischen Bahn. Gespannt, einen Teil der UNESCO-Weltkulturerbe-Strecke der Rhätischen Bahn zu erleben, wurde „aufgerüstet“. Sämtliche Schals, Pullover, Faserpelz, Windjacken, Käppis und Mützen wurden platziert und festgebunden. Die Krokodillock zog uns pünktlich fort, und so begann eine erfrischende, windige Reise im Erlebniszug Albula Richtung Thusis.

Bever war der erste Halt unserer Fahrt. In Spinas, im Hochtal des Engadins gelegen, mussten wir in den geschlossenen Wagen wechseln, denn nun sausten wir durch den granit- und schiefersteinerne Albula-Tunnel. Am Ende nach 5864 Meter, bei der Ankunft in Preda, versetzte uns die totale Bergwelt ins Staunen. Wieder ins „Cabriolet“ umgestiegen, vergnügt und zusehend resistenter gegen die Kälte, packten wir fotografierend die herrliche, mit Viadukten und Kehrtunnels verbaute Strecke nach Bergün an, wo uns eine stündige Verschnauf-Aufwärm-Pause erwartete. Einige eilten geradewegs ins Hotel Ladina, um sich „von innen“ durchzuwärmen.

Mit einem Röteli, dem Bündner Spezialgeist, offeriert vom netten Wirt, lösten wir die lustige Runde auf und gesellten uns zur Gruppe der Besucher des Bahnmuseum Albula. Als auch der letzte sich wieder eingemummt hatte, besetzten wir unseren Frischluftwagen und sahen gespannt der nächsten Strecke entgegen.

Mit der Sonne begleitet und stolzem Zugführer Peter Kaufmann, mit glänzenden Augen im Führerstand, gleisten wir an Filisur vorbei, über die längste Brücke der Rhätischen Bahn, dem Langwieser Viadukt, 285 Meter lang, hinunter nach Tiefencastel über den Solisviadukt zu unserem Ziel Thusis. Mit frischen Gesichtern und steifen Knochen, froh den beheizten Car zu sehen, suchte jeder rasch seinen komfortablen, weichen Sitz auf.

Auf der Heimfahrt bereitete ein kniffliges Ortschaftenquiz allgemeines Kopfzerbrechen. So mancher Geheimtipp wurde von Sitz zu Sitz weitergeflüstert. Die Sieger hiessen schliesslich Rolf und Janine. Ihr Super-Preis: Das Organisieren der nächsten Theaterreise. Allegra! Mit grossem Applaus und viel Lob aus aller Munde gratulierten alle TGFler unserem Super-OK-Team Jeanine und Jörg zu der gelungenen und toll organisierten Reise durchs Engadin. Vielen Dank, für die zwei erlebnisreichen Tage! Das war einfach spitzenmässig!

Chauffeur Marco fuhr uns souverän und rund durch den Sonntagabendverkehr Richtung Zürich. Pünktlich um 19 Uhr sind wir im Friesenberg heil und glücklich angekommen. Müde, zufrieden und freudig gestimmt auf ein baldiges Wiedersehen im Theater, verabschiedete sich die aufgestellte Schar. Adieu und bis bald beim Stück „Säg doch eifach ja“.


Fotos