>  Verein  >  Reiseberichte  >  Reisebericht 1999

Reisebericht 1999

Reiseziel: Zermatt
Datum: 28. und 29. August 1999
Organisation: Karin Höck, Uschi Häberli und Heinz Pauli
Reisebericht: Max Hochreuther
Links:

Wallis
Brig
Stockalperpalast
Der grosse Stockalper: Jadok von Stockalper
Der Schlossgarten
Zermatt
Hotel "Matterhorn Hostel"
Täsch

 
Treffpunkt: Samstag 28.8. um 7 Uhr 45 (Abfahrt 08:00 Uhr am Borrweg Zürich Friesenberg), Ausrüstung: Gute Schuhe für leichte Wanderung (bergab), Rucksack muss ca. 10 min getragen werden, Übernachtung: ev. Schlafsack‚ Wolldecken und Kissen sind vorhanden, Rückkehr 29.8. ca. 21:00 Uhr etc. - ich freue mich und grüsse herzlich Karin. Auf einer schönen Postkarte kam die Einladung ins Haus (in der Kürze liegt die Würze).

Die Frage was nehmen wir mit in eine touristische Hochburg, Abendrobe, Elegant oder nur Wandertenue, das war denn auch der Streitpunkt. Man kann doch nicht die "Kleider in einen Rucksack stopfen, ist ja alles zerknittert", und so weiter und so fort. Was schlussendlich in eine Minilösung zum schleppen endete, soweit zum Vorspiel.

Auf jeden Fall pünktlich 07:45 warteten Karin und Uschi an der Einfahrt Borrweg auf den Bus, der dann auch kam. Punkt 08:00 Uhr setzte sich der Oswald Staub Car von Menzigen mit Chauffeur Daniel Rieser in Bewegung, Richtung Reiseziel. Ob westwärts oder südwärts wurde noch gerätselt doch Dani lies die Katze vorher aus dem Sack, denn von unseren beiden Organisatorinnen Karin und Uschi war noch nichts zu erfahren (letztere wollte zwar nicht genannt werden).

Bald darauf fuhren wir via Sihltal Richtung Süden, also Klausen - Gotthard. Das Wetter zeigt sich in der Nordschweiz nicht von der besten Seite, es gibt Hoffnung auf einen besseren Süden. Kurz nach der Abfahrt verwöhnten uns Karin, Uschi und Edith mit Gipfeli und Kaffee, da unsere Karin nicht nüchtern fahren kann, sorgte sie vor. Vor Arth-Goldau verkündete Dani den ersten Boxenstopp, er sei nach Sisikon beim Hotel Tellsplatte. Hier bekamen wir den zweiten Kaffee.

So gestärkt liessen wir uns den Gotthard hochschaukeln. Wie üblich ist auch heute Stau am Gotthard, schon beim ersten Tunnel - das kann ja lustig werden, aber wir haben es ruhig und gelassen ertragen. Bei Göschenen zweigte zumal der meiste Verkehr ab über den Pass und im Tunnel war freie Fahrt. So waren wir eins zwei auf der Tessiner Seite, Airolo im Sonnenschein! Nun war es allen klar, wir fahren über den Nufenen. Die Tessiner Berge im Val Bedretto waren hier noch saftig grün. Unser Mittagshalt in All-Aqua 1614 m.ü.M. im Ospizio war vorbestellt. Trotz des Staus kamen wir eine halbe Stunde zu früh an, das war eine Gelegenheit die Füsse in Bewegung zu bringen entweder direkt zum Apéro oder ein Stück den Berg hinauf. Wir setzten uns auch etwas mit der Botanik auseinander; die Heidelbeeren waren bereits geerntet, die Preiselbeeren waren noch nicht ganz reif, bei den Pilzen gab's verschiedene Sorten.

Nach einem kleinen Apéro in der Gartenwirtschaft (danke Heinz) zogen wir es vor, im Restaurant das Mittagessen einzunehmen. An einer langen Tafel gab es Risotto und Ossobucco mit Zucchettigemüse und dazu einen guten Tessinerwein. Als Krönung gab es Poire belle Helen und einen Espresso. Um 13:15 Uhr fuhren wir weiter zur Passhöhe 2478 m.ü.M. Hier begrüsste uns der Hochnebel, wo wir doch so gerne das Gomsertal von oben anschauen wollten.

Weiter ging die Fahrt nach Brig. Hier begrüsste uns die Sonne. Um 15:00 Uhr angekommen parkierten wir beim Stockalperpalast. Ein Fest zur Sanierung des Palaisplatzes war im Gang, wir mischten uns unter die Gäste. Unsere Umweltbewussten, die per Bahn kamen, sind hier zu uns gestossen. Zeit für einen Stadtbummel blieb noch, die Spuren vom damaligen Hochwasser sind kaum noch auszumachen, so schön hat man die Briger Häuser, Strassen und Plätze wieder hergerichtet; es ist eine Reise wert. Gegen 16:00 Uhr trafen wir alle wieder ein zu einer Führung im Stockalperpalasthof. Für Brig-Besuchende ein muss, wo lässt sich die Geschichte näher bringen als am Ort des Geschehens? Eine junge Geschichtskundlerin begleitete uns im Schloss auf den Rundgang in die Vergangenheit. Der grosse Walliser, bedeutender Schweizer und beachtlicher Europäer Kaspar Jadok von Stockalper prägte sein nahes und weites Umfeld als Unternehmer, Immobilienbaron, Bauherr, Stifter, Politiker, Diplomat, Bewirtschafter von Monopolen und als Inhaber zahlreicher Söldnerkontinente über fast das halbe 17. Jahrhundert nachhaltig. Nichts war ihm zu gross und nichts war ihm zu klein, was immer Gewinn versprach (Materiellen und Immateriellen), damit liess er sich ein - alles andere war seine Sache nicht! Eben diese Geschäftstüchtigkeit wird hier veranschaulicht in den noch erhaltenen Räumen und Gegenständen.

Zum Palast selber, 1658 bis 1678 erbaut von K.J von Stockalper, als grosszügiger geräumiger Wohnsitz und bedeutendster barocker Palastbau der Schweiz: Er besteht aus einem rechteckigen viergeschossigen Gebäude, das von einem Hof mit zwei- und dreigeschossigen Arkadenflügeln flankiert wird, der der Lagerung der Ware des Eigentümers diente. Drei Türme mit vergoldeten Zwiebeln beherrschen den Hof. Sie tragen die Namen der drei Könige, der höchste wird Kaspar genannt. Der Palast ist durch einen zweigeschossigen Arkadenlaufgang mit dem Haus Peter Stockalper verbunden das 1533 errichtet und im 17.Jh. durch einen Flügel im Süden, eine Kapelle und einen Loggienhof vergrössert wurde.

Zum Handel noch ein paar Worte: Er beherrschte das Salzmonopol, Transitmonopol (über die Alpen), Gewürzhandel, Terpentinmonopol (Lertschinenharz), sogar den Schneckenhandel nach Frankreich. Die damalige Mitgift, die er seinen Erben hinterliess, waren 2'200'200 Walliser Pfund, oder als Realwert gab es 122'233 Kühe (eine Kolonne von 270 Kilometern, von Vorderteil an Hinterteil, von Gletsch über Genf hinaus in die Region Annecy oder von Brig nach Genua). Nach heutigen bäuerlichen Berechnungen wären es 611'165'000 Franken Wert). Also ein moderner Manager könnte es nicht besser machen, ob er wohl der Urvater schweizerischen Unternehmertums war?

Sehr beeindruckt verliessen wir nach der Kapellen-Besichtigung diesen Palast, um unter der Führung von Heinz (dank Kenntnissen aus der Zeit der Rekrutenschule) zu einer Weindegustation vom Feinsten im Haus Peter Stockalpers zu gelangen. Hier wurde uns eine riesige Platte mit Köstlichkeiten aus dem Wallis gereicht, dazu der köstliche Fendant du Valle, eine Stockalper Spezialität. Das ist der Höhepunkt des Tages, einen Dank an unsere Organisatoren, einfach super.

Auf dem Rückweg zum Bus schauten wir noch in das Schlosskeller-Theater, wo ein paar Musiker am Proben für die abendliche Vorstellung waren. Im Schlosspark ist die Wohltätigkeitsvorstellung am Ausklingen; auch wir brechen auf für die Fahrt in die Höhe. Vom Rhonetal 650 m.ü.M. via Vispertal ins Mattertal, wo uns die Mattervisp zur rechten Seite ins Tal begleitet. Mächtige Bergstürze von Paragestein, Gneise, Glimmerschiefer und Phyrolite sind zu sehen auf der Fahrt nach Täsch 1450 m.ü.M. Hier verlassen wir den Bus und begeben uns mit Sack und Pack zur Zermatt-Bahnstation.

Nach dem Billett-Chaos (GA oder Halbtags) schafft es Karin in Rekordzeit all die Billette vor Abfahrt noch zu lösen, bei dem Grossandrang, ähnlich wie am HB Zürich! Endlich in Zermatt angelangt gab es eine kurze Instruktion über den Ablauf. Dann gab es die nächste Überraschung, Strassenfest am Abend, überall waren Tische und Bänke aufgestellt, es war kaum ein Durchkommen, vor allem mit dem Bagage. Der Wettergott meinte es auch gut, man konnte sogar das Hörnli sehen.

Unsere Unterkunft heisst sinnigerweise Matterhorn Hostel, und ist bis aufs letzte Bett besetzt, ein Verkehr wie in einem Bienenhaus - Schlüssel fassen und Zimmer-Verteilung, erkunden, wo sind die WC's, Duschen und Waschstrassen, wer liegt unten, wer oben, wer schnarcht, wer braucht frische Luft, alles ok - wie bei der Pfadi, was uns nicht weiter stört, weil eben Fest in der Bahnhofstrasse war und wir im Gedanken schon am Ort - aber es war noch Nachtessen angesagt, was wir am liebsten ausgelassen hätten, weil wir alle noch von Brig den Bauch voll hatten.

Auf jeden Fall war der Drang nach ein paar Schritte laufen gross und es war ja auch noch Fest, für jeden etwas, nach der ersten Runde im Menschenauflauf, versuchten wir mal ein Tischli zu ergattern neben der Musik. Zum Unterhalten war's dann doch zu laut und wir versuchten es anderswo mit einer durstlöschenden Plauderstunde und landeten unversehens im Pup, wo sich schon ein Grüppchen aufhielt. Als Spätheimkehrer hofften wir, dass WC's und Duschen, Waschtröge frei sind und wir ungestört den Rest erledigen können. Dann geht es recht schnell mit dem Einbetten und versuchen zu schlafen.

Das Frühstück war auf halb zehn Uhr angesagt, eigentlich spät! Gegen Morgen um 06:00 Uhr wache ich auf, es sind schon einige unterwegs, das Wasser rauscht schon im Haus. Draussen blauer Himmel, viertel vor sieben ziehen stärkere Wolken von Visp herauf. Dann sprang ich aber schnell aus dem Bett, denn ich möchte das Matterhorn wieder einmal ohne Wolken sehen dabei war ich nicht ganz allein, Louis kam mir bei der Schwarzseebahn schon entgegen, er hatte auch ein paar Aufnahmen geschossen, Hörnli mit Mond.

Zusammen marschierten wir runter ins Dorf durch die noch friedlich dämmernden Chalets, Stadel und blumengeschmückten Häusern. Bei einer Bäckerei konnten wir dem Duft der feinen Brötchen nicht widerstehen. Gegen Acht Uhr kamen wir zum Bahnhofplatz und es waren bereits viele Leute unterwegs. Nach dem Grund gefragt: Heute grosser Schwarzsee Lauf mit Start um acht Uhr für Volksläufer und Publikum, um neun Uhr ist der Start der Eliten und Vereine. So live dabei mit Starterhäuschen, Zeitmessung und pistolenschiessenden Starter, der Pulverdampf war noch in der Luft und recht zahlreich die Zuschauer und Fans, wie auf einer grossen Bühne.

Gegen halb neun kehrten wir wieder zum Hostel zurück, hier scretschten schon ein Grüppchen Läufer aus Bayern für Ihren Start. Wir besammelten uns zum Morgenessen, Isabelle war am Englisch büffeln, sie lies sich fast nicht davon losreissen! Zehnuhrfünfzehn war bereits Gebäckabgabe am Bahnhof und Aufbruch zur Sunnegga Bahn und der Bergterrasse 2288 m.ü.M. hoch mit herrlicher Rundsicht, das Wetter meint es gut mit uns, die Sonne kommt und reisst die Wolken auf. Die Bergwelt ringsum ist ja herrlich, fast lauter Hörner, südwestlich das Matterhorn 4478 m.ü.M. (der Ohrwatschel nach), das Theodulhorn 3469 m.ü.M., das kleine Matterhorn 3884 m.ü.M., das Breithorn 4164 m.ü.M., mehr südöstlich Gornergletscher und Dufourspitze 4634 m.ü.M., wie Monte Rosa 4554 m.ü.M. weiter ostwärts das Stockhorn 3532 m.ü.M., Strahlhorn 4190 m.ü.M., daneben Rimpfischhorn 4199 m.ü.M.. Oberrothorn 3415 m.ü.M., darob das Allalinhorn 4027 m.ü.M., der Albhubel 4206 m.ü.M., Täschhorn 4491 m.ü.M. der Dom mit 4545 m.ü.M. auf der anderen Talseite nordwärts das Weisshorn 4505 m.ü.M., Schalihorn 3975 m.ü.M., Zinalrothorn 4221 m.ü.M., Mettelhorn 3406 m.ü.M., Trifthorn 3728 m.ü.M., oberes Gabelhorn 4064 m.ü.M. und unteres Gabelhorn 3392 m.ü.M., Dent Blanche 4357 m.ü.M., Tete Blanche 3724 m.ü.M., dann ist man ringsum und wieder beim Hörnli angelangt, das sich in seiner majestätischen Schönheit zeigt‚ bereits ist ein kleiner Kragen zu sehen der zusehends wächst, ein wunderbares Erlebnis.

Auf der Sunnegga trennen wir uns von den Gipfelstürmern die Richtung Blauherd ziehen und die anderen gehen direkt zu den Findeln, die Senioren spazierten zu dem Leisee, in unserer Bergwelt gibt's schon immer etwas zu staunen. Am sonnigen Hang waren sogar Murmeli zu sehen, nicht nur Geissen und Kühe, und aus dem Tal ertönte sogar ein Alphorn. Ob sich Joosli im Tal versteckt hat?

Ein anderes Grüpplein wagte sich via Leisee, Eggen zum Finderhof. Hier gab es bereits wieder eine Überraschung, Geburtstagskind Ruth spendierte einen feinen Fendant zum Apéro was wir alle herzlichst verdanken möchten. (Da kommt mir auch Marianne in den Sinn, die hat ja auch heute Geburtstag. Unsere Ex-Theaterbeizerin hat sich selbständig gemacht, deshalb ist sie nicht anwesend. Ihr Restaurant «Im Grund» in der hinteren Grundstrasse 2 in Langnau am Albis liegt beim Migros-Einkaufszentrum. Wir wünschen ihr viel Erfolg und viel Einkehr.)

Da hier in Findeln unsere Mittagsrast geplant war, gab es eine riesige wunderbare Vesperplatte mit feinem hartem Walliserbrot. Es schmeckt auf der Höhe einfach phantastisch, auch der Wein fehlte nicht. Mit einem urchigen Walliser Kaffee im Bauch traten wir den Abstieg an. Abwärts laufen ist etwas ringer, aber man spürte wieder mal Muskeln, von denen man gar nicht wusste, dass man sie hat, jedenfalls einen bis zwei Tage danach noch. Unsere guten Läufer gingen recht forsch voran um ja rechtzeitig am Bahnhof zu sein; 18:00 war abgemacht, und man staune, die ganze Gruppe war pünktlich an der Gebäckausgabe und zum Abfahren versammelt.

Schlusslicht macht unser erfahrener Heinz locker pfeifend in aller Ruhe, hier pflegt man noch Billetkontrolle zu machen‚ na wo ist es denn, das Sunnegga Billet geht hier nicht, in letzter Sekunde vor Abfahrt war's dann doch noch aufzutreiben, Gott sei gedankt, Karin hatte schon einen kalten Schweissausbruch, aber Heinz die Ruhe selbst!

In Täsch angelangt verluden wir zum letzten Mal unser Bagage nun ging es gemütlich singend und witzelt nach dem Visper Bahnhof, wo uns Fredi und Sohn Silvio wieder verliessen, das Geschaukel im Car war wohl für den Jungen zuviel, er war etwas traurig, dass er die lustige Runde verlassen musste, wir winkten den beiden noch eine Weile nach und fuhren via Rhonetal und Genfersee, Montreux nach Bern Grauhölzli. Da gab es die letzte Verpflegung. Dani steuert uns sicher gegen heimwärts von zwei erlebnisreichen Tagen, die gut organisiert waren durch unsere Karin und Uschi sowie Heinz. Allen sei ein herzliches Dankeschön gesagt.