Viel «Gschtürm» zum Mitlachen

Zürich West, Donnerstag, 9. März 2006
Ausgabe 10, Werner Schüepp

Szene

Im Treppenhaus haben die Wände Ohren, und der «alte Hausdrachen» sorgt für Unruhe – die Theatergruppe Friesenberg probt «Gschtürm im Schtäehuus».

Edi Huber sitzt reglos im Stuhl, zehn Meter von der Bühne im Saal der reformierten Kirche Friesenberg entfernt, und beobachtet das geschehen, ohne auch nur im geringsten die Miene zu verziehen. Er lässt den ersten, zweiten und dritten Akt an diesem Abend kommentarlos durchspielen. Die Mitglieder der Theatergruppe Friesenberg stehen vor der Premiere des Stücks «Gschtürm im Schtägehuus», einer Komodie in vier Akten von Jens Exler. Die meisten sind textsicher, ab und zu vergisst jemand sein Stichwort, aber da ist Souffleuse Heidi Hochreuther schnell flüsternd zur Stelle.

«Es ist kein lautes Stück», erläutert Regisseur Huber, «es gibt viele Zweierszenen, die vom Dialog leben. Die Spieler müssen gut aufeinander hören.» Er kannte das Stück zuvor nicht, findet es aber ideal für Laienschauspieler. Auf der Bühne agieren mit Judith Pauli, Edith Engler, Jeannette Jegi, Jeanine Erni, Rolf Brunold, Alex Schatt und Peter Dubach bekannte und beim Publikum beliebte Darsteller. Das Stück wurde 1987 übrigens im Friesenberg schon einmal gespielt, Jörg Steinmann war damals schon mit dabei und spielt diesmal die Rolle des Hans Schellers.

Allwissendes Sprachrohr

Zum Stück: März 1959; es sind keine hochdramatischen Ereignisse, welche das Leben im Mehrfamilienhaus von Metzgermeister Hartmann etwas durcheinander bringen. Schuld sind eigentlich der neue Mieter Eduard Brunner und seine Nachbarin Hanna Knöpfli. Entgegen der Hausordnung haben beide einen Untermieter einquartiert. Und das stiftet bei Meta Boll, dem «allwissenden Sprachrohr des Hauses», einige Verwirrung. Nun sind aber die beiden Untermieter junge, fröhliche Menschen, der eine sogar eine sympathische «Sie», und darum geschieht das Einschreiten des Hausmeisters gar nicht nach Frau Bolls Wunsch.

Am Montag vergangener Woche reichte es zwar für den vierten Akt nicht mehr, aber der Probeneindruck täuscht nicht: Das Durcheinander im Treppenhaus bietet dem Publikum unbeschwerte Unterhaltung und den Darstellern einige Höhepunkte an Wortduellen.

Reformierte Kirche Friesenberg, Schweighofstrasse 239, 8045 Zürich. «Gschtürm im Schtägehuus», Premiere am Samstag, 18. März. Vorverkauf: Telefon 044 462 07 80.

Originalartikel