Triumphierende Frauen und Pseudo-Machos

Zürich West, Donnerstag, 28. Februar 2008
Ausgabe 9, Lena Schenkel

Text

Konzentrierte Probeatmosphäre im Saal der ref. Kirche Friesenberg.

In gut einer Woche feiert das neue Bühnenstück «Manne und anderi Irrtümer» der Theatergruppe Friesenberg Premiere. Heuer steht auch Regisseur Edi Huber auf der Bühne.

Den Text können die Amateur-Schauspieler inzwischen auswendig; jetzt gehts an die Feinarbeit. Während sie die Szenen einüben, ruft Regisseur Edi Huber zum Beispiel «Bitte Schätzli, machs nomal chli langsamer, suscht verschtat mers hinde nöd ...», oder er fordert eine alternative Betonung. So geht das mehrmals pro Szene. Zuweilen spurtet der rüstige 81-Jährige selbst auf die Bühne und zeigt den Akteuren, wie ers meint, «weisch eso, suscht gseht das merkwürdig uus ...». Geduldig wiederholen die Schauspieler die Szene und folgen den Anweisungen; alle arbeiten gewissenhaft und konzentriert.

Professionelles Hobby-Theater

Von den über 500 Vereinsmitgliedern der Theatergruppe Friesenberg engagieren sich etwa 50 aktiv vor und hinter den Kulissen. Darunter sind wiederum rund zehn Amateur-Schauspieler, die sich im Turnus für das jährliche Theaterstück einspannen lassen. Einige sind bereits 20 Jahre dabei, andere sind erst vor kurzem zur Gruppe gestossen.

Das aufzuführende Stück wird jeweils von der Gruppe selbst ausgesucht. Dem Publikum wird leichte, vergnügliche Kost aus dem Bereich der Schwänke, Lustspiele und Komödien serviert – Happy End inklusive. Regisseur Huber arrangiert sich eigentlich immer mit den Vorschlägen und Wünschen seiner Gruppe – und überhaupt: «Die Qualität eines Stücks hängt ja weniger vom inhaltlichen, als vielmehr von der schauspielerischen Leistung und der Inszenierung ab», ist er überzeugt. So legt er viel Wert darauf, gute Unterhaltung auf hohem Niveau zu bieten. Dieses Engagement verleiht der eigentlichen Hobby-Theatergruppe denn auch eine hohe Professionalität und einen Ruf über die Quartiergrenzen hinaus.

Mit Herz- und Theaterblut dabei

Der gelernte Schriftsetzer, zwischenzeitliche Journalist und erfahrene Profi-Schauspieler Edi Huber ist seit nunmehr 17 Jahren für die Theatergruppe Friesenberg tätig. Diese Zeit ist ihm aber ebenso wenig anzumerken wie seine 81 Lenze, die er inzwischen zählt: Er geht seiner Tätigkeit immer noch voller Begeisterung nach. Beobachtet man ihn bei der Arbeit, wird schnell klar: Da ist einer in seinem Element.

Mit der Theatergruppe Friesenberg probt der engagierte Intendant derzeit zweimal die Woche am aktuellen Stück. Daneben führt er auch in Regensdorf Regie – zurzeit ebenfalls zweimal in der Woche. «Natürlich, es ist schon streng», meint Huber. «Aber wenn ich dann hier bin, sind alle Mühen vergessen», fügt er sogleich mit leuchtenden Augen hinzu. Es muss dieses Theaterblut in Hubers Adern sein, das ihm eine solche Energie verleiht.

Im aktuellen Stück der Theatergruppe Friesenberg geht es um die Irrungen und Wirrungen zwischen den Geschlechtern und die daraus resultierenden Irrtümer. Im Zentrum steht Angela von Thurm, die nach Meinung ihres Umfelds wieder heiraten soll. Auf der Suche nach einem geeigneten Mann für sie sind etwa die junge, liebenswerte Kleptomanin Gaby Flum, die bei Angela ihre Sozialstunden abarbeitet, aber auch ihr Schwager Gustav respektive «Gusti». Dass nun Angelas gehemmte Schwester Lisbeth ebenfalls einen Mann kennenlernt, der überdies auch gleich noch der Kronfavorit des Schwagers wäre, gibt der Geschichte eine unerwartete Wendung und führt schon bald zu turbulenten Situationen.

Edi Huber mit auf der Bühne

Grundsätzlich sind die Strukturen der Gattung immer dieselben und versprechen ein heiteres Durcheinander mit glücklicher Auflösung, aber «speziell an diesem Stück ist, dass die Frauen hier triumphieren und die Männer – die meisten davon Pseudo-Machos – Zweiter werden», erklärt der Regisseur lachend. Mit seinem Part als Gusti Häfeli übernimmt Edi Huber zum ersten Mal überhaupt eine Rolle in einem von ihm inszenierten Stück. «Prinzipiell mach’ ich das nicht», stellt er klar. Das bedeute für ihn zusammen mit der Regiearbeit eine Doppelbelastung und sei zudem künstlerisch nicht interessant. Heuer hat er jedoch eine Ausnahme gemacht, da der vorgesehene Schauspieler unvorhergesehen aus familiären Gründen von einer Teilnahme absehen musste. Da man in der Folge keinen geeigneten Ersatz für die Rolle gefunden hat, entschloss sich Huber dann doch dazu, in diesem Fall eine Ausnahme zu machen, «aber auch nur, weil es die kleinste Rolle ist».

Theatergruppe Friesenberg, «Manne und anderi Irrtümer», Lustspiel in drei Akten. Saal ref. Kirche Friesenberg, Schweighofstr. 239, 8045 Zürich. Vorpremiere 7. März, 20 Uhr, mit Spaghettiplausch ab 18 Uhr. Premiere 8. März, 19 Uhr, mit Spaghettiplausch ab 17 Uhr. Aufführungen: 12., 14., 15., 26., 28., 29. März, 20 Uhr, 30. März, 14.30 Uhr, 4. und 11. April, 20 Uhr. Derniere 12. April, 19 Uhr, mit Spaghettiplausch ab 17 Uhr. www.theatergruppe-friesenberg.ch

Originalartikel