Organisiertes Chaos und eine bewusstlose Leiche

Zürich West, Donnerstag, 21. Februar 2013
Foto und Text: Stefan Greter

Von links: Atréju Diener als bewusstlose «Leiche», Jörg Straube als Assistent Willy Wasser, Rolf Brunold als SVP-Nationalrat Arthur Aebi.

Von links: Atréju Diener als bewusstlose «Leiche», Jörg Straube als Assistent Willy Wasser, Rolf Brunold als SVP-Nationalrat Arthur Aebi.

Die Theatergruppe Friesenberg probt für das Stück «Alles im Griff». Eine Komödie, in der sich ein Tohuwabohu auf der Bühne breitmacht. Auf ein Missgeschick folgt ein anderes.

Es ist halb acht Uhr. Kurz nacheinander betreten Laienschauspieler den Saal der reformierten Kirche Friesenberg. Es ist ein Abend, an dem sie, unter der Regie von Edi Huber, ihr Können zeigen. «Alles im Griff», heisst der Zweiakter, in dem so oft geprobt wird, dass das Stück an der Premiere seinem Namen alle Ehre macht.

Viele Turbulenzen

In diesem Schwank denkt sich der Nationalrat Arthur Aebi von der SVP: «Gelegenheit macht Liebe» und verabredet sich zu einem stimmungsvollen Tête-à-tête mit einer Sekretärin der SP in einer Suite des Parkhotels Federal. Aber das Schicksal meint es nicht gut mit ihm und noch weniger mit seinem Assistenten Willy Waser. Immer mehr verstrickt sich Aebi in Lügen und Ausreden und bringt somit Waser und sich in arge Bedrängnis.

Das Publikum kann sich köstlich amüsieren bei Aebis – im wahrsten Sinne des Wortes – halsbrecherischem Versuch, sein nicht zustande gekommenes Verhältnis vor seiner Ehefrau, einer misstrauischen Hoteldirektorin, und nicht zuletzt vor einem häufig bewusstlosen Detektiv zu verbergen. Zusätzliche Komplikationen treten auf, als der Ehemann der Sekretärin auftaucht. Und auch Max, der Kellner, nutzt die fatale Situation für sich, um sein Gehalt fürstlich aufzubessern.

Atréju Diener ist im Quartier Friesenberg aufgewachsen. Er war schon als Kind an Vorstellungen der Theatergruppe und besuchte einen Theaterkurs der Stadt Zürich. Seinen ersten Einsatz für die Friesenbergler hatte er als 17-Jähriger. Er spielt im aktuellen Stück den bewusstlosen Detektiv, der für eine Leiche gehalten wird. Deshalb versuchen seine Mitspieler, ihn zu entsorgen. «Eine Leiche zu spielen, ist schwieriger als ich dachte. Die Augen zuhalten und herumgetragen zu werden, braucht Vertrauen. Ich werde von meinen Mitspielern herumgetragen, da sie sich meiner, als Leiche, entledigen möchten. Das Vertrauen besteht darin, dass die anderen einen nicht fallen lassen.»

Bunte Truppe

Viele Berufsgattungen sind in dieser Theatergruppe vertreten. So zum Beispiel ein Elektroingenieur und eine Diätköchin. Für den Ingenieur Rolf Brunold macht es Spass, Leute zum Lachen zu bringen. «Ernste Rollen sind schwieriger zu spielen.» Für ihn ist das Theaterspielen ein Ausgleich zum Berufsleben. «Es ist hart, wenn der Text stimmen muss und man ihn x-mal wiederholt.» Die Köchin Anja Baumgartner spielte schon von klein auf Theater. So in der Schule oder bei einem Krippenspiel an Weihnachten. «Ich bin eher eine introvertierte Person. Durch das Theater lernte ich, kommunikationsfreudiger zu sein. Theaterspielen ist eine Lebensschule da sie Mut und Selbstvertrauen entwickelt. Wir sind eine tolle Gruppe und verstehen uns gut. Es ist wie in einer Familie. Das Einzige, was ich mir wünsche, ist eine etwas grössere Rolle, als ich bis anhin hatte.»

Schokolade als Muntermacher

Für den Regisseur Edi Huber ist das Stück ein technisch kompliziertes. «Ein grosses Fenster fällt dauernd herunter. Dies wird mit einer Fernsteuerung ausgelöst. Es muss an der richtigen Stelle wieder anhalten. Denn wir wollen keine echte Leiche.» Eine andere Schwierigkeit ist die Anzahl der Rollen. Neun sind es insgesamt. Alle im Blick zu behalten während der dramaturgischen Turbulenzen ist eine Herausforderung für die Regie. Geprobt wird zweimal pro Woche. In diesem Stück wirken, vor und hinter den Kulissen, 20 Personen mit. Huber erwähnt: «Während der Proben sind zweimal, aus familiären Gründen, die Personen ausgestiegen, die die Rolle als Hoteldirektorin spielen. Dies brachte eine gewisse Hektik in die Proben. Als Perfektionist kann ich eklig sein während der Proben, denn das Spiel muss sitzen.» Bei jeder Probe nimmt Huber eine halbe Tafel Schokolade mit, da eine ganze in seiner Tasche nicht Platz hat. «Davon esse ich aber nur einen Riegel», erwähnt er lachend.

Premiere 2. März und Derniere 23. März um 19.15 Uhr. Weitere Vorstellungen: 6. bis 22. März jeweils Mittwoch, Freitag und Samstag um 20 Uhr, an Sonntagen um 14 Uhr. Eine Vorstellung am Donnerstag 21. März, um 20 Uhr. Am 2., 22. und 23. März Spaghettiessen mit Musik. Vorverkauf: 056 648 25 66 Mo–Fr 7.30–19.00 Uhr, www.theatergruppe-friesenberg.ch.

Originalartikel