Luxusdampfer ohne Kapitän unterwegs

Tages-Anzeiger, Mittwoch, 9. März 2009
Aktuell, Seite 53, Werner Schüepp

Der Saal im Kirchgemeindehaus Friesenberg war am Samstag bis auf den letzten Platz besetzt. Die Theatergruppe Friesenberg spielte die Komödie «Uf Bali und zrugg». Für die Regie zeichnete die 82-jährige Schweizer Schauspielerlegende Edi Huber verantwortlich, der dieses Jahr auch auf der Bühne als Kapitän feine Akzente setzt.

Das Stück in zwei Akten von Bernd Sperling verläuft, wie es sich für eine Komödie gehört, äusserst turbulent. Kapitän und Schürzenjäger Ludwig von Ballheim (Edi Huber) wird seinem Ruf gerecht und vergnügt sich mit einer Passagierin (Katja Graf) in einem Rettungsboot, das zu Übungszwecken zu Wasser gelassen wird. Unglücklicherweise löst sich dieses aus der Verankerung und treibt nun im offenen Meer.

Ein Schiff ohne Kapitän, das geht natürlich nicht. Bardame Jeannine (Jeanette Jegi) und der erste Offizier (Arno Baldinger) suchen fieberhaft nach einer Lösung. Da kommt ihnen der Penner Sigi (Rolf Brunold, der einen fulminanten Striptease auf die Bühne legt) gerade recht. Er soll den Kapitän spielen und zur Beruhigung der Passagiere beitragen. Sigi in Kapitänsuniform hat fortan alle Hände voll damit zu tun, sich den Angriffsattacken diverser Damen zu erwehren. Trudy und Rösli, die beiden Kegeltanten (Judith Pauli und Edith Engler), buhlen um Sigis Gunst, während Gerry (Andreas Frehner) seine Frau sucht, die nun fernab der MS Friesi mit dem Kapitän im Rettungsboot treibt. Bordärztin Zäpfli (Jeanine Erni) tritt als Trösterin auf. Niemand hat aber mit dem Eifer des frisch ernannten Kapitäns Sigi gerechnet. Sein Aufruf zur Happy Hour in der Columbus Bar hat fatale Folgen.

Die Passagiere und selbst die Crew sprechen dem Alkohol so zu, dass am Morgen danach das totale Chaos herrscht. Ob das Schiff Bali je erreichen wird? Für die verbleibenden neun Aufführungen gibt es noch Karten.

Originalartikel