Nachruf auf Schauspieler Edi Huber: Ganove und Grandseigneur

NZZ, Donnerstag, 18. August 2016
Seite 18, Thomas Ribi

Edi Huber, aufgenommen 1999. (Bild: Karl-Heinz Hug / Keystone)

Edi Huber, aufgenommen 1999. (Bild: Karl-Heinz Hug / Keystone)

Gauner waren sein Metier. Doch er konnte auch anders. Am Dienstag ist der Zürcher Schauspieler Edi Huber 89-jährig gestorben.

Der Willi war eine seiner bekanntesten Rollen. Der Bunker-Willi aus der «Kleinen Niederdorfoper». Ein kleiner, glückloser Gauner, der es gross im Kopf hat, dabei aber unglücklich agiert und am Ende selber der Betrogene ist. Eine Figur, bei der man spürt – das Herz hat sie trotz allem auf dem rechten Fleck. Als Willi feierte Edi Huber in den siebziger Jahren am Bernhard-Theater grosse Erfolge. Was ihm davon blieb, war das Image des Gangsters. Es brachte ihm sogar den Übernamen Ganoven-Edi ein.

Obwohl, bekannt geworden war der stets elegante Edi Huber in den sechziger Jahren mit der Figur des Henry O. Luginbühl in der Erfolgskomödie «Bibi Balù». Auch das ein Gauner, allerdings einer der distinguierteren Sorte. Nach «Bibi Balù» spielte Huber in zahlreichen weiteren Boulevardstücken am Bernhard-Theater. Titel wie «Golden Girl» oder «Viva Banana» bezeichnen Stationen seines Schaffens, das er gewandt und mit einer ihm eigenen Souplesse ausübte. Entgegen dem oberflächlichen Ganoven-Image hatte Edi Huber etwas Vornehmes, das sich auch in kleinen Rollen zeigen konnte. Im Herr Ärmel etwa, den er 1970 in der Musical-Bearbeitung des «Jim Knopf» am Opernhaus spielte. Gediegen, fast grandseigneural – aber zugleich unprätentiös und mit echter Herzlichkeit.

Trotz alledem gelang es Edi Huber nie, aus dem Schatten der grossen Partner Ruedi Walter, Jörg Schneider oder Paul Bühlmann herauszutreten. Er habe den Sprung nicht geschafft, bilanzierte er vor wenigen Monaten in einer Radiosendung. Ein Angebot aus Deutschland lehnte er 1970 ab, aus Rücksicht auf die Familie. Das wäre der Schritt zum Erfolg gewesen, dachte er nachträglich: «Da hätte ich richtig durchstarten können.» Durchgestartet ist Edi Huber nicht. Ende achtziger Jahre gab er die Schauspielerei sogar ganz auf, arbeitete als Journalist und führte während mehr als zwanzig Jahren Regie bei der Theatergruppe Friesenberg und der Reganbühne Regensdorf. Im vergangenen Jahr musste er das Theater schliesslich ganz aufgeben, aus gesundheitlichen Gründen. Am Dienstag ist Edi Huber 89-jährig in Zürich gestorben.

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