«Eine Komödie mit viel Herz und Verwirrungen»

Zürich West, Donnerstag, 25. Februar 2016
Ausgabe 8, Jan Bolliger

Die neue Regisseurin Giannina Masüger (rechts) stimmt die Theatergruppe Friesenberg ein. Foto: Jan Bolliger

Die neue Regisseurin Giannina Masüger (rechts) stimmt die Theatergruppe Friesenberg ein. Foto: Jan Bolliger

Die Theatergruppe Friesenberg spielt nach 20 Jahren zum ersten Mal unter neuer Regie.

«Wenn ich jemals heirate, wird dies einem schnellen Entschluss entspringen, so, wie man sich erschiesst», sagte der amerikanische Autor Henry Louis Mencken einst. Nicht bei allen geht die Angelegenheit so schnell über die Bühne. Grund genug für die Theatergruppe Friesenberg, sich das Thema zu Herzen zu nehmen. Ihr neues Stück «Säg doch eifach ja!» handelt von der Heiratsvermittlung «Ewigi Liebi». Dass professionelle Hilfe keine Garantie für eine bessere Hälfte ist, muss Thomas nach einigen Misserfolgen auf die harte Tour lernen. Kurzerhand entschliesst er sich, Christine, der Inhaberin der Vermittlung, einen Antrag zu machen. Die ist alles andere als begeistert. Auf Rat ihrer Assistentin täuscht sie vor, verheiratet zu sein. Stadtrat Meier, der seine Tochter verkuppeln will, kommt da gerade recht. Er soll den Ehemann mimen. Doch hier beginnt das Chaos erst.

Giannina Masüger ist verantwortlich dafür, dass das Chaos nicht überhandnimmt. Sie führt dieses Jahr zum ersten Mal Regie bei der Theatergruppe Friesenberg. Sie tritt das Erbe von Edi Huber an, der die Truppe die letzten 20 Jahre geleitet und zu grossen Erfolgen geführt hat. Die Theaterlegende, welche in zahlreichen Schweizer Produktionen mitgespielt hatte, übergab mit 88 Jahren das Zepter. Die Erwartungen an Masüger sind dementsprechend gross. «Ich war schon ziemlich nervös, diese eingespielte Truppe zu übernehmen», gesteht die quirlige Frau, die nicht einmal halb so alt ist wie ihr Vorgänger Huber. Sie sei aber mit offenen Armen aufgenommen worden und auf so grosse Spielfreude gestossen, dass sie es einfach «mega toll» finde.

Die Figuren kennen lernen

Es sei beeindruckend, wie weit Huber die Amateurschauspieler gebracht habe. Besonders an der Artikulation höre man, wie viel Wert Huber auf Präzision gelegt habe.

Masüger geht die Sache anders an: «Mir ist wichtig, dass die Schauspieler ihre Figur kennen lernen. Sie müssen sich richtig in sie hineinversetzen können.» Hubers Stil sei eher klassisch gewesen. Auch die andere Methode findet bei den Schauspielerinnen und Schauspielern Anklang. «Es ist spannend, mit Giannina zu arbeiten. Wir lernen extrem viel Neues», bestätigt Katja Graf. Sie spielt im Stück Christine und ist seit acht Jahren bei der Gruppe. Masügers Methode sei anspruchsvoller, da sie stärker auf sich selber gestellt seien. Sie denkt jedoch nicht, dass das Publikum das bemerken wird.

Schon fast ausverkauft

Die Proben laufen auf Hochtouren. Stadtrat Meier hat seine Hosen, Thomas die Hoffnung und Christine die Nerven verloren, und jetzt sucht auch noch ein Priester nach der Frau fürs Leben. Masüger verfolgt das Geschehen zwischen den erst halb bemalten Kulissen und macht sich Notizen. «Die Geschichte bietet alles, was gutes Volkstheater braucht», sagt sie überzeugt: «Verwirrungen, Humor und ganz viel Herz». Die Theatergruppe Friesenberg hat ein gutes Gespür für den Geschmack des Publikums. Die letzten Jahre waren alle Vorstellungen ausverkauft, und auch für die 14 diesjährigen Aufführungen sind nur noch sehr wenige Tickets vorhanden. Die Tickets für die Derniere gingen so schnell weg, dass sich Masüger nicht einmal mehr eines für sich auf die Seite legen konnte: «Jetzt muss ich einen Extra-Stuhl mitbringen», erzählt sie lachend.

27. Februar bis 19. März, reformierte Kirche Friesenberg, Tickets unter www.theatergruppe-friesenberg.ch.

Originalartikel