Dreiviertel-Profis üben für den «Neurosen-Kavalier»

Zürich West, Donnerstag, 1. März 2007
Ausgabe 9, Joel Bedetti

Die Amateure der Theatergruppe Friesenberg proben seit Neujahr zweimal in der Woche.

Die Amateure der Theatergruppe Friesenberg proben seit Neujahr zweimal in der Woche.

Bis zur Premiere des neuen Bühnenstücks der Theatergruppe Friesenberg dauert es nur noch eine Woche. Die Amateurschauspieler feierten derweil den runden Geburtstag ihres Regisseurs Edi Huber.

Eigentlich wären am Mittwoch vor zwei Wochen Proben angesagt gewesen. Denn das diesjährige Stück der Theatergruppe, «De Neurose-Kavalier», will geübt sein. Die Uraufführung des Lustspiels ist auf den 9. März angesetzt, am nächsten Tag ist Premiere. Seit Oktober laufen die Vorbereitungen, seit Neujahr wird zweimal in der Woche geprobt.

Absenzen kommen vor – schliesslich betreiben die aktiven Mitglieder der Theatergruppe das Schauspiel ehrenamtlich –, aber grundsätzlich wird vom Regisseur Edi Huber einiges Engagement verlangt. Doch der Zufall wollte es, dass Huber just an diesem Tag seinen 80. Geburtstag hatte – und von seiner Schauspieltruppe mit einer Feier überrascht wurde. Auch Ursula Schäppi, bekannte Schauspielerin und langjährige Weggefährtin Edi Hubers, ehrte die Runde mit ihrer Anwesenheit.

Auch heute noch viel beschäftigt

Edi Huber ist ein Urgestein der Zürcher Theaterszene. Seine Karriere als Schauspieler und später auch als Regisseur absolvierte er in erster Linie im Bernhardtheater und im Theater Hechtplatz, aber auch in Musicals wirkte er mit. Kurz vor der Pensionierung war er noch während dreier Jahre Glossenschreiber beim «Tages-Anzeiger». Mit seinen 80 Jahren ist Edi Huber auch heute noch engagiert wie kaum jemand in seinem Alter. Neben der Theatergruppe Friesenberg inszeniert er auch für das Amateurtheater Regan in Dällikon. «Vier Abende in der Woche sind für mich Theater angesagt», meint Huber glücklich.

Ein Küsschen für Regisseur Edi Huber zum 80. Geburtstag von Schauspieler-Kollegin Ursula Schaeppi.

Ein Küsschen für Regisseur Edi Huber zum 80. Geburtstag von Schauspieler-Kollegin Ursula Schaeppi.

Stück spielt in der Klapsmühle

Im «Neurose-Kavalier», die schweizerdeutsche Adaption eines populären Bühnenstücks aus England, geht es um einen als Weihnachtsmann getarnten Bankräuber, welcher sich nach einem Bankraub mit 38 000 Franken in der Tasche verstecken muss – und per Zufall in einer psychiatrischen Klinik landet, wo er prompt mit dem Arzt, der auf einem Kongress weilt, verwechselt wird. Der Fliehende nimmt die Rolle des Seelenklempners ein und verzeichnet mit seinen unbedarften Methoden unerwartete Erfolge. «Den Zuschauer erwartet ein Happy End», verrät Regisseur Huber schmunzelnd.

«Gute Unterhaltung auf hohem Niveau», klassiert Profi Huber das Schaffen der Hobby-Theatergruppe Friesenberg, welche seit etwa 15 Jahren unter seiner Ägide steht. Seine Schützlinge will er nicht Laien genannt hören. «Ich bevorzuge den Ausdruck Amateur», sagt Huber, «ich würde sie sogar als Dreiviertel-Profis bezeichnen.» Auch Rolf Brunold, der neben seinem hiesigen Engagement in einer weiteren Theatergruppe als Regisseur fungiert, schätzt das Niveau der Theatergruppe Friesenberg ziemlich hoch ein. «Wir gehören zu den professionelleren Gruppen der Region», ist er überzeugt.

Der Theaterverein Friesenberg existiert – wie sein jetziger Regisseur – seit rund 80 Jahren. Über 500 passive Mitglieder, welche vorwiegend als Zuschauer fungieren, verzeichnet der Verein. 18 aktive Mitglieder, will heissen Schauspieler, üben pro Jahr ein Stück ein und präsentieren es dann während 13 Vorstellungen. «Das Theater hat wieder Konjunktur», meint Amateurschauspieler Rolf Brunold, «Letztes Jahr konnten wir insgesamt etwa 3000 Zuschauer begrüssen!» Auch Junge sprächen wieder vermehrt auf das Unterhaltungsgenre an. «Lädt man einen Jungen zum Besuch unseres Theaters ein, rümpft er erst mal die Nase. Kommt er aber zu einer Aufführung, heisst es danach: ‹Das war eigentlich gar nicht schlecht!›», erzählt Brunold.

Theatergruppe Friesenberg, «De Neurose-Kavalier», Komödie in vier Akten. Saal Ref. Kirche Friesenberg, Schweighofstr. 239, 8045 Zürich, Bus 32 oder 89 bis «Im Hagacher». Vor-Premiere 9. März, 20 Uhr, mit Spaghettiplausch ab 18 Uhr. Premiere 10. März, 19 Uhr, mit Spaghettiplausch ab 17 Uhr. Aufführungen: 14., 16., 17. März, 20 Uhr, 18. März, 14.30 Uhr, 21., 23., 24., 28. und 30. März, 20 Uhr. Derniere 31. März, 19 Uhr, mit Spaghettiplausch ab 17 Uhr. www.theatergruppe-friesenberg.ch

Originalartikel