Der Ruf verpflichtet zu gutem Volkstheater

Zürich West, Donnerstag, 8. März 2012
Nicole Isele

«Schöne Blumen!» Zurück auf der Erde lernt Markus seine Schwiegermutter in spe, Doris, kennen. (von links: Edith Engler, Rolf Brunold, Anja Baumgartner).

«Schöne Blumen!» Zurück auf der Erde lernt Markus seine Schwiegermutter in spe, Doris, kennen. (von links: Edith Engler, Rolf Brunold, Anja Baumgartner).

Edi Hubers Inszenierungen sind seit jeher ein Erfolgsgarant. Und auch das neue Stück scheint äusserst vielversprechend, obwohl es nicht ganz von dieser Welt ist ...

Himmel oder Hölle? Das ist die Frage, die sich stellt, nachdem Markus Walther auf dem Weg zu seiner zukünftigen Braut einen Verkehrsunfall hatte. Als er wieder zu sich kommt, ist er «Irgendwo im Nirgendwo», und dort können sich Frau Düvell und Herr Engelen, die Vertreter der jeweiligen Institutionen, nicht einigen – trotz intensiver Recherchen in seiner Akte auf schicken Notebooks. In solchen Fällen hilft nur eines: Der Kandidat muss sich nochmals auf der Erde profilieren und für einen Tag zurück in seine Lebenswelt. Einzige Bedingung: Er darf nicht lügen. Schafft er es, so ist ihm ein Platz im Himmel sicher, schafft er es nicht, muss er mit Frau Düvell vorliebnehmen. Selbstverständlich begleiten ihn die beiden Abgesandten und es entsteht ein einziges Chaos … Und schliesslich soll dann doch alles nur ein grosser Irrtum gewesen sein?

«Die Leute sollen sich amüsieren»

Er gehört bereits zum festen Interieur der Theatergruppe Friesenberg: Seit nunmehr 20 Jahren führt der renommierte Edi Huber Regie. Wie er dazu kam, weiss er gar nicht mehr genau. Eine Dame habe in angefragt, und schon bald hätten ihn die Friesenberger nicht mehr gehen lassen.

Welche Erwartungen Edi Huber an das aktuelle Stück hegt? «Diesmal ist es eine etwas komplizierte Komödie in Form eines modernen Märchens. Ich bin gespannt, wie die Leute reagieren. Unser Stück soll in erster Linie Frohsinn und Unterhaltung stiften. Das Publikum soll sich vergnügen.» Der Verkehrsunfall mute etwas tragisch an, sorge aber für viel Amüsement. Edi Huber betont den Aspekt des Surrealen und Heiteren beim gespielten Stück: «Markus Walther wird wieder lebendig!»

Geprobt wird bereits seit fünf Monaten, zweimal pro Woche. Edi Huber setzt sich jedoch schon lange vorher mit dem Stück auseinander. «Ich muss wissen, was ich auf der Bühne erwarte, sonst parieren sie nicht», so der Grandseigneur des Schauspiels mit einem Augenzwinkern. Die ersten Proben würden immer etwas zäh verlaufen, jeder müsse erst in seine Rolle finden, wobei hier die Arbeit des Regisseurs beginne.

Edi Huber ist mit seinen 85 Jahren ein Schwungrad sondergleichen. Sein Geheimnis seien die guten Gene seiner schwäbischen Mutter. Und möglicherweise, dass er in jede Probe ein Reiheli Schoggi mitnimmt ...

Schweizweites Renommee

Seit Jahren nun darf sich die Theatergruppe Friesenberg auf ein treues Stammpublikum verlassen, und mit jedem Jahr werden mehr Theaterfreunde dazu gewonnen. Das zeigt sich auch in der Anzahl der Aufführungen: Waren es im Jahr 2000 noch deren 9, so zählen heute bereits 14 Aufführungen fest zum Programm. Über 50 Mitglieder sind mit viel Herzblut und Freude dabei, wenn es darum geht, Jahr für Jahr eine erfolgreiche Theatersaison auf die Beine zu stellen. Ihr Ruf eilt der Theatergruppe Friesenberg voraus. Die Besucher kommen mittlerweile aus 14 Kan- tonen. Damit hat der Verein weit über die Quartiergrenzen hinaus einen Platz eingenommen, der verpflichtet, gutes Volkstheater zu bieten. Und dementsprechend professionell wird gearbeitet – nicht nur, was die Regie anbelangt.

Das Kirchgemeindehaus der reformierten Kirche Friesenberg mutiert während der drei Wochen im März zu einem regelrechten Theaterbetrieb. Es wird zum Restaurant, zum Tanzsaal, zur Bar, zu einem vielfältigen Ort der Begegnung. Besonders stolz ist man auf die vereinseigene Estrade, welche auch vom hinteren Teil des Saals uneingeschränkte Sicht auf die Bühne gewährt. Bis zu 300 Zuschauer fasst der Saal bei voller Bestuhlung. Wer noch Billette erstehen möchte, muss sich allerdings beeilen, bereits wenige Stunden nach der Eröffnung des Kartenverkaufs waren viele Vorstellungen bereits ausverkauft.

Am Freitag geht es los

Die Theatergruppe Friesenberg zeigt das Stück «Irgendwo im Nirgendwo» im Saal der reformierten Kirche Friesenberg an der Schweighofstrasse 239. Die Vorpremiere lockt am Freitag, 9. März, mit Spaghettiplausch und Musik ab 18 Uhr, Theaterbeginn ist um 20 Uhr. Die Premiere findet am Samstag, 10. März, mit Spaghettiplausch, Musik und Tanz ab 17 Uhr statt, Theaterbeginn ist um 19 Uhr.

Weitere Vorstellungen bis Samstag, 31. März. Spieldaten und Billett-Vorverkauf im Internet unter www.theatergruppe-friesenberg.ch oder unter der Nummer 056 619 78 84, Montag bis Freitag von 7.30 bis 19 Uhr.

Originalartikel