«Ich war immer auf dem Sprung»

Zürich West, Donnerstag, 24. Februar 2011
Ausgabe 8, Manuel Risi

Banker Jim Walker (l.), gespielt von Rolf Brunold, gaukelt seinem Chef Bill Mc Gregor (Edi Huber) vor, glücklich mit seiner Putzfrau Ida Kappeler (Edith Engler) verheiratet zu sein. Ob das wohl gut geht?

Banker Jim Walker (l.), gespielt von Rolf Brunold, gaukelt seinem Chef Bill Mc Gregor (Edi Huber) vor, glücklich mit seiner Putzfrau Ida Kappeler (Edith Engler) verheiratet zu sein. Ob das wohl gut geht?

«Dinner mit Chaos» heisst der neuste Streich der Theatergruppe Friesenberg, welcher unter Leitung von Bühnenlegende Edi Huber inszeniert wird. Dabei steht der Meister seit langem wieder selber auf der Bühne.

Es herrscht noch Stille im Kirchgemeindehaus Friesenberg. Eine halbe Stunde vor Probenbeginn sind die Schauspielerinnen und Schauspieler noch nicht eingetroffen. Edi Huber sitzt nachdenklich am runden Tisch. Bedächtig hebt er die Tasse, nimmt einen Schluck Kaffee und beginnt zu erzählen. «Zum Theater kam ich bereits in der ersten Klasse. Ich inszenierte damals kleine Sketches für den Schulsilvester.» Aber der Weg Edi Hubers verlief alles andere als geradlinig. Im Zürcher «Chreis Cheib» aufgewachsen, machte er eine Lehre als Schriftsetzer. «Man lernte diesen Beruf, wenn man nicht studieren konnte. Pfarrer, Lehrer und Schriftsetzer, dass waren damals die angesehenen Berufe.»

Doch das Theater war sein ständiger Begleiter. Nebenberuflich versuchte er sich als Schauspieler und stand für Werbungen vor der Foto- und Filmkamera. Rückblickend meint Edi Huber dazu: «Man wird nicht als Profi geboren. Ich war immer auf dem Sprung.» Erst im Alter von 32 Jahren wurde aus dem Hobby Ernst. Die «Initialzündung» gab eine Deutschlandtournee mit dem Stück «Ein Monat auf dem Lande». Edi Huber reiste damals mit Grössen wie Maria Becker und Robert Freitag durch ganz Deutschland. «Da wurde ich richtig geschlaucht», erzählt Edi Huber mit Begeisterung in der Stimme. «Nebst Schauspielern musste ich auch noch die Bühne ausleuchten. Da wurde ich zum Theaterross.»

Der Bühne treu geblieben

Später bekam er die Rolle des Bunker Willi in der «Kleinen Niederdorfoper» und spielte Seite an Seite mit Ruedi Walter. Der Bühne ist Edi Huber bis heute treu geblieben. Seit 16 Jahren führt er nun Regie bei der Theatergruppe Friesenberg. Der Wechsel vom Schauspieler zu Regisseur war für ihn kein Problem. «In diesem Beruf muss man alles machen können.» Das aktuelle Stück der Gruppe klingt vielversprechend. Ein erfolgreicher Bankfilialleiter, der mit seiner Freundin zusammenlebt erhält Besuch von seinem Vorgesetzten aus den Staaten. Um den puritanischen Amerikaner mit seiner Lebensweise nicht zu schockieren, versucht er seine Freundin zu überzeugen, dem Chef eine glückliche Ehe vorzugaukeln. Die Freundin will aber just nicht mitspielen. Es kommt zum Streit – die Freundin läuft davon, und der Banker stellt dem Chef, mangels Alternativen, seine Putzfrau als Ehefrau vor. So nimmt das Verwechselspiel seinen Lauf und schafft die perfekte Voraussetzung für viele komische Momente.

Momentan befindet sich das sechsköpfige Ensemble in der Schlussphase der Proben. Edi Huber geniesst die Arbeit mit der Theatergruppe. Aber er erwartet vollen Einsatz. «Sie wissen, dass ich ihnen nichts durchgehen lasse. Ich will einfach das Optimum herausholen, und das wird auch akzeptiert.» Und wie als stille Bestätigung öffnet sich zehn Minuten vor Probenbeginn die Eingangstüre des Kirchgemeindehauses und die ersten Schauspielerinnen und Schauspieler treten ein.

«Dinner mit Chaos», Saal reformierte Kirche Friesenberg, Schweighofstrasse 239, Vorpremiere Fr., 4. März, 20 Uhr, Premiere Sa., 5. März, 19 Uhr. Jeweils zwei Stunden vorher Spaghetti mit Musik. Vorverkauf: Telefon 056 619 78 26 (Montag–Freitag 7.30 – 9 Uhr).

Originalartikel