«Dä Brütigam vo minere Frau»

Zürich West, Donnerstag, 26. April 2001
Werner Schüepp

V.l.: Rolf Brunold, Melitta Gauch sowie Peter Kaufmann garantieren für Unterhaltung.

V.l.: Rolf Brunold, Melitta Gauch sowie Peter Kaufmann garantieren für Unterhaltung.

Premiere im Friesenberg: Die Theatergruppe führt das Lustspiel «Dä Brütigam vo minere Frau» auf. Regie führt der Theaterprofi Edi Huber.

Regisseur Edi Huber sitzt im hinteren Teil des Saals der reformierten Kirche Friesenberg. Auf seinen Knien ein kleiner Notizblock, in den er ab und zu Bemerkungen kritzelt. Die Laiendarsteller der Theatergruppe Friesenberg befinden sich mitten in den Turbulenzen des zweiten Akts, der erst begonnen werden konnte, als eine vergessene Perücke in letzter Minute noch aufgetrieben werden konnte. Huber verfolgt mit wachem Blick das Geschehen auf der Bühne. «Es wäre schlecht, wenn ich jetzt noch gross eingreifen müsste. Schliesslich findet in drei Tagen die Premiere statt.» So notiert er weiter schweigsam Details auf seinen Notizblock. Dem Theaterprofi und Vollblutschauspieler entgeht keine Bewegung.

Bereits zum zehnten Mal führt die Schauspielerlegende Edi Huber (hier im Gespräch mit Präsidentin Ursula Häberli) Regie im Friesenberg.

Bereits zum zehnten Mal führt die Schauspielerlegende Edi Huber (hier im Gespräch mit Präsidentin Ursula Häberli) Regie im Friesenberg.

Eigene Theaterkultur

«Dä Brütigam vo minere Frau», das Lustpiel in drei Akten, das am vergangenen Wochenende Premiere feierte, ist bereits die zehnte Regiearbeit für die Theatergruppe Friesenberg. Ursula Häberli, Präsidentin des Vereins zu «Zürich West»: «Wir spielen sehr gerne mit Edi Huber. Er kennt unsere Darsteller seit vielen Jahren und arbeitet ausgezeichnet mit Laien zusammen.» Es mache sehr viel Spass, mit ihm ein Stück zu erarbeiten, denn «er kann sich sofort in jede Rolle einfühlen».

Die Geschichte der Theatergruppe Friesenberg präsentiert sich sehr abwechslungsreich: Im Frühjahr 1946 gründete der Bankangestellte Leo Seidl zusammen mit seiner Frau die Theatergruppe. Leo Seidl, Regisseur und Charakterdarsteller (er wurde oft mit Emil Hegetschweiler verglichen) wollte gutes, lustiges Theater bieten. Diesem Grundsatz ist der Verein bis heute treu geblieben. Die Anfänge waren aufreibend. Ein Saal stand zwar im Kirchgemeindehaus bereit, doch es fehlte an einem Probelokal. In den kleinen Stuben der Mitglieder und in einer Garage mussten die Stücke mühsam geübt werden. Dieser Zustand dauert bis ins Jahr 1960. Dann zog man in den Saal des Restaurants Schweighof und seit 1993 finden die Aufführungen und Proben im Kirchgemeindesaal statt.

Werfen wir nochmals einen Blick ins Jahr 1946. Die erste Vorstellung war ausverkauft, eine zweite musste angesetzt werden. Im Laufe der Ära Leo Seidl (er starb 1969) sind 33 abendfüllende Dialektstücke – darunter auch Uraufführungen – über die Friesenberger Bühne gegangen. Nach dem Tod Seidls ruhte der Theaterbetrieb leider zehn Jahre. Die flammende Liebe zum Volkstheater erweckten im März 1976 die Initianten Hans Bont, Gusti Kopp und Walter Schmid wieder neu. Wie 30 Jahren davor, war der Start in den 70er Jahren keine Leichtigkeit. Mit vereinten Kräften zogen die Mitglieder alle am gleichen Strick und seither hat das Quartier wieder seine eigene Theaterkultur gefunden.

Plötzlich ist ein Kind zu viel: Jeannette Jegi in der Rolle der Fränzi.

Plötzlich ist ein Kind zu viel: Jeannette Jegi in der Rolle der Fränzi.

Auftritt im Bernhard-Theater

Die Theatergruppe Friesenberg mit 23 aktiven und über 170 passiven Mitglieder, geniesst heute einen ausgezeichneten Ruf weit über die Quartiergrenzen hinaus. Im vergangenen Jahr konnten die Laienschauspieler als Höhepunkt der Vereinsgeschichte mit dem Stück «Eine Leiche auf Abwegen» im Bernhard-Theater auftreten. Die Vorbereitungszeit für ein Stück liegt bei einem halben Jahr. Mehr als 100 Stunden intensive Probearbeit werden jährlich für das Gelingen der Aufführung investiert – gegen 50 Leute sind vor und hinter den Kulissen im Einsatz, damit auf der Bühne alles klappt.

Joosli Brunold, der viele Jahre auf der Bühne stand: «Wir sind sehr dankbar für unsere Fans. Die Friesenbergler sind ein treues Publikum und haben unsere guten schauspielerischen Leistungen nicht vergessen.» Präsidentin Ursula Häberli ergänzt: «Wir sind wie eine grosse Familie und sehr stark im Friesenberg verankert. Teilweise spielen bereits die Kinder unserer ehemaligen Darsteller auf der Bühne mit.»

Mit 80 Jahren als Gründungsmitglied immer noch dabei: Hans Bont (l.) mit Joosli Brunold, dessen Sohn im aktuellen Stück die Hauptrolle spielt.

Mit 80 Jahren als Gründungsmitglied immer noch dabei: Hans Bont (l.) mit Joosli Brunold, dessen Sohn im aktuellen Stück die Hauptrolle spielt.

«Dä Brütigam vo minere Frau», Lustspiel in drei Akten, Theatergruppe Friesenberg, Saal reformierte Kirche Friesenberg, Schweighofstrasse 239, 8045 Zürich. Aufführungen: 25. und 27. April sowie am 2., 6., und 12. Mai. Vorverkauf: Telefon 462 07 80, Montag bis Freitag, 9 bis 12 Uhr.

Zum Stück: Wir schreiben das Jahr 2001 - keine Angst, das neue Lustspiel der Theatergruppe Friesenberg ist kein Weltraumspektakel. Ein nettes Paar aus den USA sendet monatlich einen Scheck von 1000 Franken an Nelly Holm. Sie glauben, damit Ihrer zukünftigen Schwiegertochter die Ausbildung zu finanzieren.
Nelly ist aber in Wirklichkeit seit einem Jahr verheiratet und hat auch schon ein Kind. Als das Paar aus den USA inklusive vermeintlichem Bräutigam kommt, sind ein Kind und ein Ehemann zuviel in der Wohnung.

Originalartikel